In der modernen Sportstättenarchitektur sind Kunstrasenfelder aufgrund ihrer ganzjährigen Nutzbarkeit, einfachen Pflege und Langlebigkeit unverzichtbar geworden. Eine zentrale Herausforderung stellt jedoch die Minimierung der Mikroplastikemissionen dar, um Gewässer effektiv zu schützen. Das EU-finanzierte Forschungsprojekt LIFE T4C, kurz für „Turf4Circular“, widmet sich dieser Problematik in Spanien. Ziel ist die Entwicklung und Praxiserprobung von Lösungen, die Umwelt- und Ressourcenschutz harmonisch mit einer konstant hohen Spielqualität verbinden. Hauraton spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem es sein innovatives Entwässerungs- und Filtersystem Sportfix Clean einbringt und erstmals eine digitale Überwachung implementiert. Dieses System ist darauf ausgelegt, selbst kleinste Mikroplastikpartikel, Schadstoffe und Schwermetalle aus den Entwässerungssystemen zurückzuhalten, was für die EU-Tests von großer Bedeutung ist. Die Hauptreferenzanlage des Projekts befindet sich in Toledo, ergänzt durch ein weiteres Testfeld in Madrid.
Die Schaffung zukunftsfähiger Kunstrasensysteme bildet das gemeinsame Ziel dieser Forschungsinitiative. Osman Turan, International Sales Manager bei Hauraton, betont die Notwendigkeit, Entwässerung, Filtration und Wartung ganzheitlich zu betrachten, um zu verhindern, dass Kunststoffgranulate und Kunstrasenfasern über das Regenwasser in die Umwelt gelangen. Das europäische Forschungsprojekt LIFE T4C, das seit 2023 läuft und bis Februar 2027 vom LIFE-Programm der Europäischen Union gefördert wird, setzt genau hier an. Es zielt darauf ab, ein kreislauffähiges Kunstrasensystem zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei nachhaltigere Materialien, eine verbesserte Recyclingfähigkeit und die Reduzierung des Mikroplastikeintrags, kombiniert mit der langfristigen Bewahrung der Spielfeldqualität und Sicherheit. Die entwickelten Lösungen werden unter realen Betriebsbedingungen wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um ihre Effektivität zu gewährleisten.
Im Rahmen dieses Projekts wurden zwei Demonstrationsanlagen in Spanien realisiert. Eine Testanlage wurde in Madrid eingerichtet, während die Sportanlage in Toledo als Hauptreferenz für die umfassende Erprobung der entwickelten Lösungen dient. Hauraton lieferte für beide Spielfelder jeweils etwa 220 Meter des Sportfix Clean Systems. Diese Entwässerungs- und Filterrinnen sind in zwei separaten Strängen entlang der Spielfeldlängsseiten verlegt. Ihre Funktion geht über die bloße Ableitung von Niederschlagswasser hinaus; sie filtern gleichzeitig Kunststoffgranulate, Kunstrasenfasern und andere Feststoffe aus dem Oberflächenabfluss, bevor das Wasser in die Kanalisation gelangt. Das gesammelte Regenwasser wird in Speicherbecken zwischengespeichert und ist für eine spätere Nutzung zur Bewässerung der Sportflächen vorgesehen, wodurch ein geschlossener Wasserkreislauf entsteht.
Das Sportfix Clean System repräsentiert eine fortschrittliche Lösung, die Linienentwässerung und eine integrierte Filterfunktion miteinander verbindet. Oberflächenwasser durchläuft zunächst den Rinnenrost, bevor es das Filtersubstrat Carbotec 100 erreicht. Dort werden Kunststoffgranulate, Kunstrasenfasern und sonstige Schwebstoffe effektiv an der Oberfläche des Filters zurückgehalten, während das gereinigte Wasser kontrolliert abgeleitet wird. Ein entscheidender Vorteil dieses Prinzips besteht darin, dass die zurückgehaltenen Partikel ausschließlich auf der Filteroberfläche verbleiben und nicht in tiefere Schichten eindringen. Dies vereinfacht die Wartung erheblich, da lediglich die obere, belastete Filterschicht ausgetauscht oder ergänzt werden muss. So wird die Funktionsfähigkeit des Systems dauerhaft gewährleistet, ohne dass aufwendige Eingriffe erforderlich sind.
Ein herausragendes Merkmal der Referenzanlage in Toledo ist die Ergänzung des Entwässerungssystems durch eine digitale Überwachung. Erstmals wurden zwei Zustandsüberwachungssysteme von RX-WATERTEC implementiert, jeweils eines pro Rinnenstrang. Diese Systeme messen kontinuierlich den Wasserstand in den Einlaufkästen und übertragen die Daten an ein speziell von RX-Watertec entwickeltes Dashboard. Dies ermöglicht den Betreibern, die Wasserstandsverläufe in Echtzeit zu verfolgen und über längere Zeiträume auszuwerten. Nach Regenfällen steigt der Wasserstand in den Einlaufkästen zunächst an und sinkt anschließend wieder ab, was auf eine ordnungsgemäße hydraulische Funktion des Filtersystems hindeutet. Bleibt der Wasserstand jedoch über einen längeren Zeitraum erhöht, deutet dies auf Ablagerungen von Kunststoffgranulaten, Kunstrasenfasern oder anderen Partikeln auf der Filteroberfläche hin. Solche Ablagerungen reduzieren die Durchlässigkeit des Filters und verlangsamen den Wasserabfluss. Die kontinuierliche Erfassung der Zustandsdaten macht diese Veränderungen frühzeitig sichtbar. Dadurch können Wartungsmaßnahmen gezielt nach dem tatsächlichen Zustand der Anlage geplant werden, anstatt sich ausschließlich auf feste Intervalle zu verlassen. Das Dashboard dokumentiert zudem den zeitlichen Verlauf aller Zustandsdaten und integriert Wetterinformationen. Dies hilft den Betreibern zu unterscheiden, ob erhöhte Wasserstände auf aktuelle Niederschläge oder eine nachlassende Filterleistung zurückzuführen sind. Somit steht eine verlässliche Datenbasis für den langfristigen Betrieb und die bedarfsgerechte Wartung der Entwässerungsanlage zur Verfügung. Die Anlage in Toledo demonstriert beispielhaft, wie klassische Entwässerungssysteme durch digitale Lösungen optimiert werden können. Die Kombination aus Filtration und digitaler Zustandsüberwachung ermöglicht eine Wartung, die sich am tatsächlichen Zustand der Anlage orientiert, und verbessert gleichzeitig die Planbarkeit und Dokumentation. Für Planungsbüros, Kommunen und Betreiber eröffnen sich durch diesen Ansatz neue Möglichkeiten bei der Konzeption und dem Betrieb von Kunstrasen-Sportanlagen. Wartungsarbeiten können präziser geplant, unnötige Kontrollgänge reduziert und die Funktionsfähigkeit der Entwässerung langfristig gesichert werden. Gleichzeitig trägt die Filtertechnik maßgeblich dazu bei, das zentrale Ziel der Minimierung von Mikroplastik und anderen Partikeln im Regenwasserabfluss zu erreichen.
Die beiden Pilotanlagen in Toledo und Madrid, die im Rahmen des LIFE-T4C-Projekts entstanden sind, liefern entscheidende Erkenntnisse für die Weiterentwicklung nachhaltiger Sportstätten. Die Integration von effektiver Mikroplastikrückhaltung, leistungsfähiger Oberflächenentwässerung und digitaler Zustandsüberwachung zeigt auf, welchen wichtigen Beitrag moderne Entwässerungssysteme zum Regenwassermanagement auf Sportanlagen leisten können. Angesichts der wachsenden Anforderungen an Umwelt- und Gewässerschutz gewinnen solche integrierten Lösungen zunehmend an Bedeutung. Das Projekt verdeutlicht, dass Entwässerung heutzutage weit mehr umfasst als die bloße Ableitung von Niederschlagswasser; sie entwickelt sich zu einem fundamentalen Bestandteil eines ressourcenschonenden Betriebs moderner Sportanlagen.