Gartenpflege

Innovativer Wurzelschutz: Bioabbaubare Folie gegen Käferlarven

Veröffentlicht: Aug 11, 2026
Innovativer Wurzelschutz: Bioabbaubare Folie gegen Käferlarven

In einer bemerkenswerten Initiative zur Erhaltung unserer Wälder haben Wissenschaftler und Industrie ein bahnbrechendes Projekt ins Leben gerufen, um junge Bäume vor schädlichen Insektenlarven zu schützen. Die Forschungsinitiative konzentriert sich auf die Entwicklung einer innovativen, biologisch abbaubaren Kunststofffolie, die gezielt die Wurzeln von Jungbäumen während ihrer empfindlichsten Wachstumsphase schirmt. Diese Maßnahme ist eine direkte Antwort auf die steigende Bedrohung durch heimische Engerlinge und die invasive Japankäferlarve, deren Fraßaktivitäten den Erfolg von Aufforstungsprojekten erheblich beeinträchtigen können.

Das Projekt, getragen von einem multidisziplinären Team aus Materialwissenschaftlern, Forstexperten und Umweltforschern, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Es zielt darauf ab, die Schädlingsbekämpfung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Die entwickelte Folie soll nicht nur einen physikalischen Schutz bieten, sondern auch über natürliche Abwehrmechanismen verfügen, die die Schädlinge aktiv von den Wurzeln fernhalten. Nach ihrer Schutzfunktion soll die Folie vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückkehren, wodurch eine Belastung des Ökosystems vermieden und der Arbeitsaufwand für die Beseitigung konventioneller Schutzmaterialien entfällt.

Entwicklung eines nachhaltigen Wurzelschutzsystems

Das BioROOTGUARD-Forschungsprojekt befasst sich mit der Schaffung einer neuartigen, biologisch abbaubaren Kunststofffolie, die die empfindlichen Wurzeln von Jungbäumen vor den Fraßschäden von Engerlingen und invasiven Japankäferlarven bewahren soll. Diese Initiative wird durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) unterstützt und vereint Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen. Die Kernaufgabe ist die Entwicklung eines speziellen Kunststoff-Compounds, das sich nach Gebrauch vollständig im Waldboden zersetzt, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen. Damit soll die hohe Ausfallrate bei Aufforstungen, die durch Schädlingsbefall verursacht wird, signifikant reduziert werden.

Der interdisziplinäre Ansatz des Projekts, koordiniert von der FKuR Kunststoff GmbH, integriert Materialwissenschaft, Forstforschung und Umweltanalytik. Nach der Entwicklung des abbaubaren Kunststoffmaterials wird erforscht, wie daraus eine dünne Folie gefertigt werden kann. Diese Folie wird anschließend um das Wurzelsystem junger Bäume platziert, um sie während der kritischen Anwuchsphase zu schützen. Ein weiterer innovativer Aspekt ist die Untersuchung von natürlichen Abwehrstoffen, die in die Folie integriert werden könnten, um Larven aktiv vom Wurzelbereich fernzuhalten. Dr.-Ing. Antje Birkholz von FKuR betont, dass dieses Projekt Materialinnovation mit den Bedürfnissen moderner Forstwirtschaft verknüpft, indem es eine effektive, aber temporäre Schutzlösung bietet, die sich selbstständig abbaut.

Koordination und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die FKuR Kunststoff GmbH leitet das Forschungsprojekt BioROOTGUARD und ist für die Gesamtkoordination des Verbunds sowie die Entwicklung des biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffs verantwortlich. Das Unternehmen bringt seine umfangreiche Expertise in der Biokunststoffentwicklung ein, um ein Material zu schaffen, das spezifische technische Anforderungen erfüllt und gleichzeitig umweltfreundlich ist. FKuR begleitet auch die Überführung der Materialentwicklung in eine potenzielle industrielle Anwendung, um sicherzustellen, dass die entwickelte Lösung praxistauglich und skalierbar ist. Dieser Prozess unterstreicht das Potenzial moderner Kunststofftechnologien, technische Leistung mit ökologischer Nachhaltigkeit zu verbinden.

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts basiert auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten. Die Kelmaplast G. Kellermann GmbH ist für die Herstellung der Schutzfolien aus dem entwickelten Compound zuständig. Die HYDRA Marine Sciences GmbH bewertet die Umweltverträglichkeit der Materialien, insbesondere deren Abbauverhalten in aquatischen Systemen und deren ökotoxikologische Unbedenklichkeit. Das Fraunhofer UMSICHT begleitet die Materialentwicklung wissenschaftlich und analysiert Materialeigenschaften sowie das biologische Abbauverhalten im Boden. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) führt Praxistests durch, um die Schutzwirkung unter realen Bedingungen zu bewerten, während das Julius Kühn-Institut (JKI) den Schutz vor Japankäferlarven und mögliche Anwendungen außerhalb der Forstwirtschaft, wie im Weinbau oder bei Obstkulturen, untersucht. Die Projektlaufzeit ist von Juni 2026 bis Mai 2029 angesetzt und wird durch das BMLEH gefördert.

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